Die Tücken des innereuropäischen Binnenhandels unter besonderer Berücksichtigung kognitiver Ignoranz auf Grund bilateraler linguistischer Hürden.

Totgesagte leben ja angeblich länger. Das gibt dem Rohrspatz nun zu denken, denn das würde in dem Fall meinen frühen Tod bedeuten, da in den letzten Monaten nicht über mein Ableben spekuliert wurde. Naja, Haarspalterei.

Tatsächlich hat der Rohrspatz Winterschlaf gehalten und eine kreative Schreibpause eingelegt. Im Klartext: Ich hatte keinen blassen Schimmer, wozu ich etwas hätte absondern können, was andere nicht schon längst von sich gegeben hätten. Zum Ex-Präsidenten sind alle Witzchen gemacht und längst ist der Mann wieder so langweilig wie vorher. Wenn auch finanziell bestens abgesichert, aber lassen wir das.

However. Es gab nichts zu schreiben und offen gestanden ist mir absolut rein überhaupt ganz und gar nichts eingefallen, wozu ich hätte meinen Senf dazugeben können. Auf deutsch: Ich hatte auch absolut keine Lust.

Dieser Tage ist allerdings etwas passiert, was mich auf den Gedanken brachte, das müsste man mal so richtig breit treten. Ich nenne den Vorgang mal in aller Kürze die Tücken des innereuropäischen Binnenhandels unter besonderer Berücksichtigung kognitiver Ignoranz auf Grund bilateraler linguistischer Hürden.

Zur Vorgeschichte

Irgendwann im März hat sich meinereiner bei diesem Internetversandhaus dessen Name wie die Heimat eines kriegerischen Weibsvolkes klingt, eine nigelnagelneue Digitalkamera bestellt. Und weil der Rohrspatz keine halben Sachen macht, hat er gleich noch passendes Zubehör, wie Kameratasche, Speicherkarte und ein passendes Ersatzakku mit geordert.

Bei solchen Akkus muss man übrigens verdammt gut aufpassen. Oft kommen die aus Chinaland und taugen absolut rein gar nix. Okay, die echten Akkus kommen auch fast immer aus Chinaland, aber die Originaldinger sind von besserer Qualität als die Plagiate. Nun denn. Amaz.. äh der kriegerische Weibsversandhandel hatte allerdings ein Angebot im Angebot, da konnte ich nicht nein sagen. Die Produktrezensionen sind alle bestens und bestätigen, dass es sich um ein Originalersatzteil aus dem Hause meines Kameraherstellers handelt und außerdem von der Leistung her ein gleichwertiges Akkus wäre und dann hat der Versender insgesamt auch noch eine sehr hohe Zahl an positiven Bewertungen obwohl er ausdrücklich schreibt, dass der Versand bis zu 14 Tage dauern kann, weil er aus England versendet. Allerdings ist das Teil bei diesem Versender für weniger als den halben Preis zu haben und da wartet man halt auch mal auf eine Lieferung.

Was will man also mehr. Ein Klick und das Ding ist gekauft. Und an dieser Stelle nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Gleich eine Stunde nach Bestellung schreibt der Versender, der Vorgang würde bearbeitet und sobald die Rechnung beglichen wäre, würden sie meine Ware auf den Weg schicken. Gut so, denke ich und freue mich. Kurz drauf senden mir die kriegerischen Weiber die Auftragsbestätigung und schreiben nochmal was von Lieferzeitraum um 14 Tage. Bereits am nächsten Tag wird die Kohle von meinem Konto abgebucht. Alles wird gut.

Die Tage vergehen und die Kamera muss schon richtig ran. Zusammen mit Tasche und Speicherkarte war die Kamera schon am übernächsten Tag da. Nur das Akku nicht. Laut Versender kommt das per Royal Mail. Wusst ich gar nicht, dass die auch bei uns in Deutschland zustellen. Beziehungsweise nicht zustellen, denn das Akku ist auch 2 Tage nach Ablauf des Lieferterminfensters noch nicht bei mir angekommen.

Macht ja nix, schreib ich eben eine Mail. Bei den kriegerischen Ischen gibts dafür extra ein Formular, da kann man sich direkt beim Versender melden. Schon nach sagenhaften 10 Minuten kommt diese Antwort in gebrochenem Deutsch: Sorry, wir habe verschickt Artikel zu ihne. Bestätige Sie Adress, dann wir will send Ersatz.

Hmm, die müssen meine Adresse doch noch haben, wenn die an mich verschickt Artikel. Egal, Adresse noch mal gemailt.

Die Tage vergehen mit täglicher Vorfreude auf den Postheini, aber der ist stur wie ein Ochse und bringt keine Post von der Insel. Nichts. Nada. Niente. Nothing. Rien.

Also schreibe ich wieder eine Mail über die Kriegerzicken. Höflich wie ich meistens bin, frage ich erneut nach meiner Lieferung und freue mich, dass bereits nach wenigen Minuten eine Mail kommt mit folgendem Inhalt: Sorry, wir habe verschickt Artikel zu ihne. Bestätige Sie Adress, dann wir will send Ersatz.

Ich schreibe zurück, ich will wissen wann meine Ware kommt und warum die noch immer nicht da ist wo sie doch schon 2 Mal Ware geschickt haben. Daraufhin kommt kurz danach eine Mail mit dieser Aussage: Sorry, wir habe verschickt Artikel zu ihne. Bestätige Sie Adress, dann wir will send Ersatz.

Ich bleibe höflich, frage nun aber nochmal nach, warum sie schon wieder meine Adresse brauchen, wenn Sie doch bereits zweimal an mich den Artikel geschickt haben. Dann müssten sie doch schon damals meine Adresse gehabt haben. Worauf man schreibt: Sorry, wir habe verschickt Artikel zu ihne. Bestätige Sie Adress, dann wir will send Ersatz.

Na gut, was solls. Ich schreibe meine Adresse per Mail und hebe die Mail auf, man weiß ja nie.

Inzwischen sind gut 2 Wochen vergangen, seit dem das Lieferterminfenster überschritten wurde und allmählich platze ich weil ich mein Akku haben will. Es tut sich aber nicht das Geringste. Der Postheini bringt inzwischen nicht mal mehr die Werbeblättchen.

Weil ich nun die Faxen dicke habe, schreite ich zur Tat und beschwere mich beim kriegerischen Weibsvolk. Eine der Optionen dort lautet Garantievertrag. Damit ist gewährleistet, dass, sollte was schiefgehen,  man sein Geld zurück bekommt. Feine Sache und in 1 Minute ausgefüllt und per Mail abgeschickt. Nach einer Stunde schon die Bestätigung, dass meine Mail und meine Beschwerde angekommen ist und nun geprüft würde. Gut so, gebt den Engländern nun mal so richtig Saures. Außerdem müsste ich, so schreibt man, nun nicht weiter aktiv werden. Okay, wird ja immer besser.

2 Tage später dann wieder eine Mail, man habe den Vorgang geprüft und den Versender angehört. Dieser habe den Kaufvertrag storniert und zahlt den Rechnungsbetrag umgehend an mich zurück.

Mittags dann ein Umschlag im Briefkasten. Ein Akku aus England. Ich glaubs kaum. Wieso stornieren die Thommys die Bestellung obwohl sie doch wissen müssten, dass sie mir ein Akku geschickt haben. Interessant auch das Datum des Poststempels auf dem Umschlag mit dem Akku: 1 Tag nach meiner letzten Mailbeschwerde…. sie wissen schon: Sorry, wir habe verschickt Artikel zu ihne. Bestätige Sie Adress, dann wir will send Ersatz.

Nun bin ich ja fair und storniere wiederum brav den Garantieantrag bei … genau den Kampftussen. Irgendwo schrieben die, wenn ich den Antrag storniere, dann würde der Versender sein Geld auch dann erhalten, falls es mir bereits erstattet wurde.

Bereits am nächsten Tag habe ich eine Mail von Amadingsbums: Ob ich sicher bin, dass ich die Beschwerde zurückziehe und falls ja warum. Also schreibe ich denen, dass nun doch ein Akku angekommen sei und ich daher auf Rückabwickung verzichte. Ich will ja den Akku behalten auch wenn es fast 5 Wochen gedauert hat.

Die Antwort erfolgt sogleich: Vielen Dank für mein Vertrauen, man werde den Betrag von meinem Konto abziehen und den Versender in England informieren, dass ich das Akku erhalten habe. Ich denke nur, hoffentlich kapiert man auf dem Eiland was los ist. Sie wissen schon: Sorry, wir habe verschickt Artikel zu ihne. Bestätige Sie Adress, dann wir will send Ersatz.

Am nächsten Morgen ist dann auch der Betrag abgebucht und mittags klingelt der Hermes Bote bei mir mit einem Paket. Ich machs auf als der Bote weg ist und staune: Die haben mir nun noch eins geschickt. Das Paket wurde am gleichen Tag versendet wie der erste Akku. Ich staune nicht schlecht und weil ich brav bin, schreibe ich eine Mail nach Engeland. Von wegen noch ein Akku wäre geliefert worden, ich würde es behalten und den Betrag an sie überweisen. Antwort nach 10 Minuten. Den Text kennen Sie ja inzwischen.

Nee, denke ich. Ihr könnt mich mal. Ich überweise den Betrag und sende keine Mail mit my Adress.

Tagelang passiert nix. Dann checke ich meine Kontoauszüge. Amagedöns hat eine Erstattung auf mein Konto veranlasst wegen doppelt geleisteter Zahlung. Örks.

Im Postfach dazu die passende Mail mit dem Hinweis, dass ich nicht auch noch überweisen müsse, wennn Amadings abbucht. Ich schreibe zurück, dass ich überwiesen habe, weil die von England mir noch ein Akku geschickt haben und ich dass behalten wollte. Daraufhin antwortet man mir, dass man den Versender befragen werde um den Vorgang zu klären.

Macht ihr mal, denke ich und rechne: Ich habe 2 Ersatzakkus und beide bezahlt. Die haben 2 geschickt und für 2 Geld erhalten, aber für 1 wieder zurück gezahlt. Während ich noch den Gewinn von rund 15 Euro überweisen will, klingelts im Postfach. Amadings schreibt, der englische Versender behauptet, er habe 1 Akku versendet und Geld für 2 erhalten, woraufhin man Amadings unterrichtet habe, dass 1 Mal zuviel von mir gezahlt wurde und Amadings bitte einmal an mich zurück überweist. Seufz.

Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln, werde dabei aber von meinem hektisch klingelnden Postboten unterbrochen. „Ich hab hier wieder einen Brief aus England“, begrüßt er mich. “ Ganz schön teuer“, schwadroniert er weiter, während ich unterschreibe. „6 Pfund für so einen kleinen Umschlag.“

Recht hat er, aber bedenkt man, dass dieser Umschlag schon seit 2 Wochen unterwegs ist, dann gehts noch. Verdammt, jetzt habe ich 3 Ersatzakkus, neben dem Original. Allmählich wird es eng in der Fototasche.

Ich rufe nun bei Amazon an und schildere der Dame am anderen Ende mein Schicksal. Die kapiert sofort was ich will und meint, ich soll doch die überzähligen und unbezahlten Akkus an den Versender in England zurück senden. Hmm, ja, würde ich gerne, aber ich habe keine Postadresse. Ich kriege in dem Moment einen Lachflash und nachdem ich halbwegs wieder atmen kann, schildere ich der etwas irritierten Dame am Telefon die Ursache: Der stereotype Inhalt der Mails des Versenders: Sorry, wir habe verschickt Artikel zu ihne. Bestätige Sie Adress, dann wir will send Ersatz.

Wir müssen beide lachen, sie verspricht, den Versender zu informieren und mir die Adresse gleich darauf telefonisch zukommen zu lassen, was sie auch nach wenigen Minuten tut. Es täte ihr leid, aber der Versender besteht darauf, mir nur ein Akku gesendet zu haben und daher verweigere er die Rücknahme irgendwelcher Akkus, die ich offenbar auf diesem Wege entsorgen möchte. Mir bleibt die Spucke weg und die Amazone meint, dann sollte ich eben die Dinger behalten.

Inzwischen sind 2 Monate vergangen. Der Postbote hat noch einen Umschlag gebracht. Ich besitze nun 4 Ersatzakkus. Ein Versuch, noch einmal an den Versender zu überweisen schlug fehl. Meine Bank informierte mich, dass das Konto bei der Bank in England nicht mehr existiert und erstattet mir nach 3 Wochen den überwiesenen Betrag. Bei den Amazonen existiert auch der Versender aus England nicht mehr.

Jetzt werde ich bei Amazon nach einem neuen 3D Fernseher Ausschau halten. Am besten von einem Versender aus England. Sie wissen schon: Sorry, wir habe verschickt Artikel zu ihne. Bestätige Sie Adress, dann wir will send Ersatz.

Dieser Beitrag wurde unter Neues vom Rohrspatz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.