Hilfe, ich kann doofe Menschen sehen.

Vor kurzem war es mal wieder soweit. Der Rohrspatz hatte einen akuten Anfall von „Ich kann doofe Menschen sehen“. Und das auch noch in solch ausgiebiger Art und Weise, dass es Zwecks Erhaltung für die Nachwelt im Rohrspatzblog Erwähnung finden muss.

Ah jetzt ja, und was war nun so erhaltenswert Bahnbrechendes geschehen? Lesen Sie selbst, wie sehr die geistige Vernichtung der Menschheit bei einzelnen Individuen schon fortgeschritten ist.

Nichts Böses ahnend schlendert der Rohrspatz neulich durch die hiesige Flanier- und Einkaufsmeile und überlegt, wie er seine sauer verdiente Kohle möglichst sinnvoll unter die Leute bringt, als plötzlich von schräg hinten eine tiefe und extrem überlaute Stimme an des Rohrspatzens Ohr dringt: „Ey Alta, wat machstn Du hia?“
Beinahe zeitgleich mit der verbalen Attacke saust ein gewaltiger Hieb auf meine zarte Schulter, ausgeführt von einer etwa Klodeckel großen Pranke, an deren anderen Ende ein seit vielen Jahren von meinem Langzeitgedächtnis verdrängter Mensch befestigt war. Besagter Klodeckelprankenmensch war mal für kurze Zeit gemeinsam mit dem Rohrspatz in einer Firma beschäftigt gewesen und schon damals nicht unbedingt ein Ausbund an Bildung.

Beim Ausruf: „Ey Alta, wat machstn Du hia?“ drehten sich 99 % der anwesenden Halbwüchsigen und 100 % der Mitbürger mit Migrationshintergrund im Umkreis von 200 Metern in der irrtümlichen Annahme um, höchstpersönlich angesprochen worden zu sein. Woraufhin ca. 5 jener Personen sofort die Flucht ergriffen oder im nächsten Hauseingang verschwanden und weitere 5 kurzzeitig daran überlegten, ob sie Geiseln nehmen sollten, während der bislang ohne Fluchtreflexe verbliebene Rest der beiden vorgenannten Personenkreise innerhalb einer scheinbar instinktiven Vorwarnzeit gerade noch rechtzeitig bemerkte, nicht angesprochen worden zu sein. Was wiederum unmittelbar zu einem kollektiven Auf- und Ausatmen führte, welches für einen Moment die Windgeschwindigkeit in der Flaniermeile drastisch erhöhte.

Wie auch immer. Ganz verdattert und mit einem akuten, durch das „Ey Alta, wat machstn Du hia?“ hervorgerufenen Pfeifton auf der linken Gehörseite dreht sich der Rohrspatz um und tatsächlich: Der kleine Bruder von King Kong hat scheinbar Ausgang.
Da der Rohrspatz neben einiger anderer positiven Eigenschaften auch Multitasking fähig ist, überlegt der Rohrspatz, also ich, zeitgleich an einer für King Kong möglichst leicht verständlichen und einfach strukturierten Antwort sowie einer Möglichkeit, die Begegnung möglichst schnell wieder zu beenden.

Einkaufen,“ lautet meine Antwort, die gerade noch so komplex ist, dass der Verstand von meinem Gegenüber auf einen Schlag begreift, was mich herführt. Während er die Antwort offensichtlich Buchstabe für Buchstabe verdaut, erblicke ich aus den Augenwinkeln einen Laden einer bekannten Drogeriekette und füge hinzu: „Mein Hund hat nämlich seine Menstruation und braucht Slipeinlagen.

Okay, spätestens nachdem ich den Satz ausgesprochen hatte wäre es an der Zeit gewesen, das Eingeständnis zu machen, dass ich mich irrte. Irren dahingehend, dass ich dachte auf Grund der, die tierische Menstruation betreffenden Thematik, das unerwartete Wiedersehen quasi abrupt abbrechen zu können.

Slipeinlagen,“ gröhlte er, erheblich lauter noch als zuvor als er: „Ey Alta, wat machstn Du hia?“ skandierte, auch dieses Mal unter Zuhilfenahme eines erneuten und kräftigen Prankenhiebes. Diesmal jedoch auf die andere Schulter, wofür ich insgeheim dankbar war und auch die zuvor malträtierte Gehörseite kam gewissermaßen mit einem blauen Auge davon.

„Der Köter von meiner Alten brauch sowas net,“ stellte er mit unverminderter Lautstärke fest und fügte nach einer wirklich kurzen Pause hinzu: „Der leckt sich immer selbst am Arsch.“

Aha. Auch wenn die beiden Körperregionen recht nah beieinander liegten, Kenntnisse der Anatomie eines Hundes sind also auch nicht unbedingt deine Stärke dachte ich, während er die Stirn in Falten legte und angestrengt nachdachte. Und glauben Sie mir, man konnte deutlich sehen, dass er versuchte nachzudenken. Sämtliche Bewegungsabläufe sind wie erstarrt, nur der Mund formt kaum sichtbar unhörbare Worte. Erinnert mich umgehend an Marcel Marceau, den Pantomimen. Inzwischen bildete sich um uns eine Traube von Zuhörern und auch einige der eingangs erwähnten Flüchtenden kehrten ob der interessanten Unterhaltung kurzerhand zurück.

Gerade als ich mich mit den Worten: „Ich muss dann mal weiter,“ verabschieden will, fällt bei ihm der Groschen: „Außerdem ists ein Rüde.“

Wissen Sie, in solchen Momenten hoffe ich immer, dass ich aufwache und nur geträumt habe. Aber ich kann machen was ich will, ich träume das nicht, ich erlebe es! Bitte, lieber Gott, mach ein Loch in die Erde, wirf mich rein und machs wieder zu. Am besten jetzt.

Nix zu machen. Gott ist wohl gerade nicht in der Stimmung mit mir zu handeln und somit bleibe ich weithin sichtbar an Ort und Stelle.
Wer mich kennt, der weiß, ich bin nicht auf den Mund gefallen und finde immer irgendwie eine Antwort, aber in dieser Situation versage ich gerade kläglich. Hier hilft nur eine schnelle Absetzbewegung, gepaart mit einem flüchtigen „Tschüss.“
Aber noch bevor ich einatmen kann, legt mein Gegenüber noch Kohlen ins Feuer: „Sachma, biste abeitslos oder wat machste so früh inner Stadt?“
„Urlaub,“ krächze ich und verarbeite noch das Bild des sich am eigenen Hintern schleckenden Rüden und frage mich, warum man arbeitslos sein muss um vormittags die Innenstadt zu betreten. Verdammt, ich muss Zeit gewinnen und das Gespräch wieder in sicheres Fahrwasser lenken. Selbst wenn ich ihn jetzt einfach stehen lasse wird er nicht aufgeben und an mir kleben wie Kaugummi am Schuh.

„Ich hab auch wieda ´n Job,“ platzt es aus ihm raus. Er guckt mich herausfordernd an und ich vermute, dass ich ihn fragen soll was er nun beruflich macht, also tue ich ihm den Gefallen. Ich habe ja nichts mehr zu verlieren.
Die Menschentraube ist inzwischen angewachsen. Mütter schieben ihre Kinder nach vorne und einige der Zuschauer halten die nachdrückende Menge zurück. Es wird nicht mehr lange dauern, und jemand wird einen Hut rumgehen lassen. Weiter hinten bittet jemand um Ruhe, weil er der Unterhaltung nicht folgen kann.
„Das freut mich aber für Dich, und“, frage ich, „was machst Du jetzt so?“

Lieber Leser, wenn Sie an dieser Stelle erwartet haben, dass ich schreiben würde: „Man könnte eine Stecknadel fallen hören,“ dann haben Sie sowas von Recht. Man konnte tatsächlich eine Stecknadel fallen hören, die halbe Einkaufsmeile ist augenblicklich zu einem schon beinahe mystischen Ort des Schweigens verwandelt und bis auf ein paar quengelnde Kleinkinder halten alle die Luft an während man kollektiv auf die Antwort wartet. Die imaginäre Stecknadel würde in diesem Augenblick ein Getöse veranstalten, das ungefähr die gleichen physikalischen Emissionswerte aufweist wie eine Waggonladung Rohre, die soeben verloren geht.

„Brote schmiern!“ Der Stolz in seinen Worten über diese ansonsten ehrwürdige Betätigung ist unüberhörbar und wird nur noch durch den feuchten Glanz in seinen Augen übertroffen.

Ich muss mich zusammenreißen und nicht nur ich. Auch das umstehende Volk scheint mir ein wenig enttäuscht zu sein, deute ich die diversen Ach so´s richtig. Auch scheint mir, als ob die ersten Zuschauer abwandern. Das hat also nicht nur für mich etwas von einer gewissen kafkaesken Absurdität, Brote schmiern als Umschreibung für den neuen Beruf anzugeben. Jetzt mal Butter bei die Fische, Sie haben doch auch schon mal Brote geschmiert, ohne sich dabei zu fühlen, als hätten Sie höchstselbst soeben den Weltuntergang verhindert.

„Brote schmiern,“ wiederhole ich gedehnt und fassungslos. Ich kann nicht vermeiden, seinen Tonfall nachzuäffen. Der Inbegriff eines heiß ersehnten Berufswunsches, ein lange gehegter Traum geht in Erfüllung. Bitte, lieber Gott, wiederhole ich in Gedanken. Wirf wenigstens etwas Hirn vom Himmel. Nur ein bisschen, sozusagen als Zeichen.

Gott schweigt. Tatenlos. Der Typ mit dem Hut wollte gerade anfangen zu sammeln,  verschwindet aber ebenso schnell in der Menge, wie die Menge, die sich plötzlich wie ein Nebelschleier in der hochsommerlichen Morgensonne auflöst.

„Brote schmiern,“ echot King Kong, stolz wie Oskar. Und fügt hinzu: Bei Käthe Ring. Kennste die?

Ach herrje. Während ich reflexartig überlege, keine Firma diesen Namens zu kennen, dämmert es mir. Er meint Catering, er arbeitet bei einem Partyservice. Nun verstehe ich, warum Gott schwieg. Er kannte die Pointe und lacht sich schief.

Wo wir gerade beim Thema sind: In den letzten Tagen kursiert in diversen sozialen Netzwerken eine Aufforderung, obskure Botschaften zu verbreiten. Okay, das macht ja sowieso 99 % aller Nachrichten in besagten sozialen Netzwerken aus. Die, welche ich meine ist aber so haarsträubend dämlich, dass sich mir die Fußnägel hochrollen. Wenn Sie glauben, dass die oben erwähnte Begegnung mit King Kong nicht zu übertreffen ist, hier der Beweis, dass es noch dümmer geht.

Hier der Text:

Hallo Mädels, es ist wieder so weit! Es ist Zeit das Bewusstsein für den Brustkrebs zu erhöhen.
Könnt ihr euch noch daran erinnern, als wir alle einen Status mit der Farbe unserer BHs oder mit dem Platz, wo wir unsere Taschen am liebsten hinstellen, gepostet haben? Diese Aktion hat viel Aufsehen erregt, und es wurde somit auf das Problem hingewiesen.
Erzählt keinem MANN was der Status bedeutet! Kopiert diese Nachricht und schickt sie an alle euren WEIBLICHEN Freunde.
Lasst uns sehen, ob es wieder funktioniert. Lasst die Männer raten, und uns sehen ob es wieder Schlagzeilen macht!
Idee ist, den Geburtstag und den Geburtsmonat zu verwenden. NICHT DAS GEBURTSJAHR!
schreibt: Ich werde (euer Geburtstag) Monate in (schaut unten bei eurem Geburtsmonat nach) leben

Beispiel: Wenn ihr am 14. Februar Geburtstag habt:
Ich werde 14 Monate in London leben.
Januar- Mexiko
Februar- London
März- Miami
April- Dominikanische Republik
Mai – Frankreich
Juni – St. Petersburg
Juli – Österreich
August – Deutschland
September – New York
Oktober – Amsterdam
November – Las Vegas
Dezember – Columbien

Viel Spaß dabei und bitte macht alle mit mal sehen wie verwirrt die Männer sind wenn auf einmal alle Mädels auswandern wollen.

Nun denn, dass darf nicht unkommentiert bleiben. Da weist die Verfasserin auf eine „Aktion“ aus der Vergangenheit hin, mit BH Farben und Abstellplätzen für Handtaschen. Hallo!!!!! Eine Aktion ist, wenn Greenpeace Leute einen Schornstein raufklettern oder sich an das Tor von Gorleben anketten. Diese BH Farben und Handtaschenabstellplatz „Aktion“ hat Aufsehen erregt ? Vermutlich doch in der Klapsmühle weil man die Verfasserin noch nicht eingelocht hat.

Tja und mit der Aufforderung, keinem Mann davon zu erzählen…. Ists Essig, weil der Rohrspatz ist eindeutig maskulin und hat seine Informantinnen. Nix da mit Verwirrung stiften. Jetzt mal im Ernst, da glaubt so ein armes Würstchen doch allen Ernstes, Männer würden sich von sowas verwirren lassen. Okay, bei King Kong weiter oben würde es funktionieren, insofern jener in der Lage wäre einen PC zu bedienen und das Internet zu erleben. Ausgeschlossen.

Am Besten ist der letzte Satz. Also, wenn ich, der Rohrspatz, diesen speziellen Satz lese, dann wäre ich nicht verwirrt, wenn alle angesprochenen „Mädels“ auswandern, sondern erleichtert. Übrigens, die im August geborenen wandern nach dem obigen Geheimschlüssel nicht aus. Sie bleiben in Deutschland. Arme Schweine, sich so zu blamieren ohne das zu merken.

Und nun wird der Rohrspatz ernst: Ich fasse es nicht. Da sterben Leute an sowas und die machen ein Kinderspiel daraus. Ich hätte selbst beinahe jemanden durch eine schwere Krankheit verlieren können und da ist mir persönlich der Spaß an solchen Dingen vergangen.

Und dann die Begründung… Weil Mann nicht begreift, was es damit auf sich hat. Mein Fazit: Hihihihi, ich hab was geraucht und bin jetzt doof.
Wenn man mal den Text genauer analysiert, dann sagt das doch alles. Die Person hat ein gestörtes Verhältnis zu Männern.

Liebe Dumpfbacke, die das verzapft hat. Wenn man auf ein Problem dieser Tragweite – Brustkrebs – aufmerksam machen will, dann offen. Zudem lässt die ganze „Aktion“ auf den Geisteszustand eines 3-Jährigen Primaten schließen. Alleine schon die Aufforderung, die Anleitung nicht an Männer zu schicken, damit diese mit den kryptischen Daten und Aufenthaltsorten verwirrt werden und infolgedessen die „Aktion“ Aufsehen erregt, lässt gewisse Rückschlüsse über den geistigen Zustand des Verfassers zu. Gleiches gilt für alle, die mit so einem Schmarrn hausieren gehen und das in sozialen Netzwerken posten.

Aber keine Angst, es gibt eine Lösung für Euer Problem: Verkauft sämtliches Hab und Gut, spendet den Erlös an Ärzte ohne Grenzen und werft Euch den Tieren der Serengeti zum Fraß vor.

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