Sodom und Gomorrha

Was treibt eigentlich der Rohrspatz, wenn sich mal nichts, aber wirklich gar nichts von Bedeutung ereignet? Gute Frage, die selbst der Rohrspatz nicht immer mit Klarheit beantworten könnte. Doch halt. Ist dies wirklich die Zeit der Ereignislosigkeit? Passieren nur Dinge, die kein Aas interessieren? Nein, ganz so schlimm ist es doch noch nicht gekommen.

Bitter, aber nicht zu ändern, unsere Fußballmädels haben den Anschluss verpasst und sind bei der WM ausgeschieden. In Afrika gibts urplötzlich einen neuen Staat und der kahle Prinz aus Monaco hat sich eine total scharfe Schnecke an Land gezogen, während der britische Kollege mit seiner Ische rumpimpert damit die Tommys noch mehr großohrige Prinzen und Prinzessinen vorzuweisen haben. Man könnte beinahe annehmen, dass das Inselreich nur noch aus Anwärtern auf den Thron besteht. Wozu nur. Lieschen Windsor wird es noch für Jahre unnötig machen, sich mit Thronfolge zu beschäftigen. Die alte Schachtel ist mindestens so zäh wie unser Jopie Heesters auch wenn sie nur knapp halb so alt aussieht. Naja unser Jopie ist eigentlich falsch, tatsächlich gehört der Jopie unseren holländischen Nachbarn. Die haben uns den alten Sack irgendwann vor dem letzten Krieg über den Zaun geworfen und seither wollten die ihn nicht wieder haben. Meine Güte, damals war mein Uropa schon Rentner und gebrechlich.

Das mit dem nicht wieder haben wollen ist aber auch so eine Sache. Sowas kommt ja weit häufiger vor, als man sich das in seinen kühnsten Träumen vorzustellen wagt. Klar, wenn Sie jetzt den nächstbesten Scheidungsanwalt aufsuchen, dann werden Sie feststellen, dass der daran nichts Außergewöhnliches findet. Immerhin verdient der Mann sein Geld damit. Der Rohrspatz kannte auch mal einen Scheidungsanwalt; der war ein echter Witzbold. Jener hatte doch tatsächlich an der Wand hinter seinem Schreibtisch ein Schild hängen, auf dem stand: Ehe. Abkürzung für Erare humanum est. (Für alle ohne Latinum: Irren ist menschlich.) Heute weiß ich, dass er mich damit nur indirekt daran erinnert hat, dass ich bei ihm richtig war.

Gott allein weiß, warum ich so weit abschweife. Tatsächlich wollte ich ja darauf hinaus, das es Dinge gibt, die man nicht wieder haben will. So richtig aufmerksame Rohrspatz Blog Leser würden jetzt schon ungeduldig mit den Zehen wippen und darauf warten, das jetzt gleich die Erklärung folgt, woran der Rohrspatz dieses Mal sein Augenmerk gerichtet hat. Okay, ich will es kurz machen.

Da gab es mal diesen Verein, von dem ich vor einiger Zeit mal berichtet habe. Erinnern Sie sich noch? Die Shalom Girls? Na, machts Klick? Falls nein, dann lesen Sie doch noch mal, wie ein Schaf zu seiner Herde findet. Seinerzeit hatte der Rohrspatz ja bereits orakelt, was sich in diesem Verein so alles ereignet.

Inzwischen wurde die Fiktion von der Wirkichkeit überholt. Shakira Mückenbrüll-Schnickendiller, geb. Ratgeb-Besserwiss musste ihren Stuhl räumen und den kleinen Verein mal wieder verlassen. Wie man hört, nicht zum ersten Mal und nicht nur in diesem Verein war man gezwungen, die Worte Mark Twains Wirklichkeit werden zu lassen, der seinerzeit behauptete: Es gibt nur ein Problem, das schwieriger ist als Freunde zu gewinnen: Sie wieder loszuwerden.

Aber der Reihe nach. Warum, stellt sich der geneigte Leser nun die unvermeidliche Frage, ist es denn überhaupt nötig, so jemanden los zu werden? Tja, das ist des Pudels Kern. Vielleicht, weil Shakira hauptberuflich als Querulantin ihr Unwesen treibt und versucht, alle Anderen mit ihren Killerphrasen zum Schweigen zu bringen. Aber wie gesagt, alles der Reihe nach. Hier nun die einzig wahre Geschichte.

So trug es sich also zu, dass vor vielen Jahren ein paar einsame Propheten begannen, ihre Jünger um sich zu scharen. Am Anfang war es nur ein kleines Häuflein, dass ohne große Ziele herumirrte und einem einfachen Leben fröhnte.
Man kochte allerlei Speisen und braute Tränke, buk süßes Backwerk und lebte froh und zufrieden. Erfürchtig staunend unterwies man sich gegenseitig in der Kunst, ein gediegenes Mahl oder einen einfachen Imbiss zuzubereiten und wer nicht weiter wusste, dem wurde geholfen. So trafen sie sich, aßen und tranken sich satt, labten sich gegenseitig mit ihren Worten, frohlockten und feierten und erfreuten sich am einfachen Dasein.
So wurde das Häuflein größer und man sah das es gut war.

Hier nun könnte die Erzählung enden, doch es sollte anders kommen.
Auf dem Höhepunkt der Zufriedenheit wurden die Jünger leichtsinnig. Zusehends machte sich Widerstand breit. Nicht alle wollten den Ideen der Propheten weiter folgen. Das Häuflein, nun zu einem großen Haufen angewachsen, wurde immer häufiger Prüfungen unterzogen und das Schicksal schlug erbarmungslos zu. In Form von Shakira, die damals noch viele andere Namen trug. Plötzlich war alles schlecht. Das ging so weit, dass nur Shakira beste Zutaten und Proviant feil bieten konnte. Entweder war jemandes Suppe zu fad oder zu scharf, aber nur richtig, wenn Shakira sie köchelte. Buk man ein Brot, so war das Mehl zu grob oder zu fein, nur wenn Shakira buk war es gut. Gab jemand einen Rat, so war der nie genug, nur wenn Shakira sich einmischte, wurde richtiger Rat erteilt.

Aber weder mit Hochmut noch mit mundtot machen gewinnt man Freunde. Doch schon war es zu spät. Das ehemals kleine Häuflein, nun eine große Ansammlung, ergriff Partei, spaltete sich auf und stritt fortan. Der Zerfall war nicht mehr aufzuhalten und zusehends wandten sich die Jünger von ihren Propheten ab. Diese hingegen waren mit Blindheit geschlagen und erst langsam öffneten sich ihre Augen. Wie einst die Schlange wurde Shakira aus dem Paradies verwiesen und endlich kehrte die Ruhe und der Friede wieder zurück.

Dennoch, der Schaden war angerichtet. Einige der Abtrünnigen scharten ihre Anhänger um sich, verließen nach und nach das sich wieder beruhigende Volk, machten sich auf den Weg ihrer eigenen Diaspora und irrten eine Weile durch die Wüstenei. Obwohl sie bis heute kein Zeichen empfingen, weder brennende Büsche, noch herniederfahrende Blitze oder Steintafeln mit Anweisungen einer höheren Macht, ließen sich die verstreuten neuen selbst ernannten Propheten nieder und versammelten das geflüchtete Volk um sich.
Und wieder, so schien es, ward alles gut. Man buk, kochte, braute und frohlockte wieder. Diesesmal würde alles besser werden. Das Volk prieß seine neuen Propheten und die zurück gebliebenen wurden gelegentlich zum Ziel des Spottes. Satt und zufrieden lebte man in den Tag.

Man kann jetzt natürlich trefflich diskutieren, warum und wann auch hier das Verhängnis seinen Lauf nahm. Vorzeichen gab es viele, dunkle Wolken zogen auf und die neuen Propheten donnerten gelegentlich von ihrem selbst erbauten Olymp wie von einer Kanzel, hörten jedoch nicht auf die Warnrufe ihrer aufrechten Anhänger. Ganz im Gegenteil: Heimlich schmiedeten die neuen Propheten Ränke von dem das Volk nichts ahnte. Ihr Streben nach Macht kannte nur noch ein Ziel: Sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Dort, wo die Schatten drohn.
Inmitten der Geschehnisse nahm das Unheil seinen Lauf. Wie aus einem Schattenreich zurückgekehrt, bot Shakira den neuen Propheten ihre Dienste an. Mit salbungsvollen Worten bettelte sie, bis sie von den Mächtigen zu deren Werkzeug gemacht wurde.
Doch diesesmal wurde Shakira unterschätzt. Wie bereits zuvor scharte sie ihre Anhänger um sich und wer nicht für sie war, der war gegen sie.
Die neuen Propheten wurden gewarnt und endlich gewahr was sich tat, dennoch erwachten sie nur zögerlich aus tiefstem Schlaf. Ein letztes Bündnis trat an, um Shakira die Stirn zu bieten. Ein Fiasko, denn das Bündnis hielt nicht stand und zerbrach auf dem Höhepunkt des Kampfes gegen Shakira und ihre Spießgesellen.
Erneut zerfiel der Widerstand im Streit und zerstreute sich.

Die Aufrechten jedoch packten ihr Bündel, verließen dieses Sodom und Gomorrha, wurden zu Rohrspatzen und gingen ins Exil. Die Propheten hingegen beklagten voller Wehgeschrei die Unentschlossenheit und das jämmerliche Versagen ihrer eigenen Vasallen. Allerdings auch zunehmend und endlich sehenden Auges wahrnehmend, selbst nur Wasser in den Wein gegossen zu haben.

Nun, nachdem die Stimme der Vernunft die Ohren der Propheten nicht mehr erreichte, zogen erneut Anarchie und Aufruhr ein, dem die Propheten nur mit äußerster Mühe halbwegs Herr wurden. Shakira sollte fortan wie die Pest gemieden werden. Doch nur mit Ignoranz allein ließ sich Shakira nicht eindämmen und so kam es, dass die Propheten Shakira zum wiederholten Male verbannten. Bis zum nächsten Mal.

Hier enden vorerst die Abenteuer der Shalom Girls.

Jetzt wissen Sie auch, was der Rohrspatz so macht, wenn er nichts macht. Amüsante Geschichten erzählen.

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