Der schwarze Balken

Ganz am Anfang, als der Rohrspatz mit dem bloggen anfing, war von einer Mütze aus Aluminium die Rede. Wer sich nicht mehr daran erinnert, kann hier nochmal nachlesen, worum es damals ging.

Weil eine große Anzahl liebenswerter Rohrspatz-Blog-Leser den Rohrspatz schon eine Weile drangsalierten, doch auch ein Beweisfoto einzustellen gibt es dieses nun auch in einem eigenen Beitrag zu bestaunen.

Apropos bestaunen: Sicherlich wird sich der ein oder andere Zeitgenosse angesichts des schwarzen Balkens die Frage stellen, wozu die Maskerade.

Tja lieber Leser, das hat rechtliche Gründe. Datenschutz, Recht am eigenen Bild, Urheberschutzgesetz, EU-Richtlinien für die Vermarktung prominenter Persönlichkeiten und tausend andere Dinge, von denen ein wirklich rechtschaffener Mensch noch nie gehört hat. Also der ganze Schmarrn, an den man immer zuletzt oder besser nie denkt.

Ich kann mir gerade so richtig vorstellen, wie bei Ihnen die Maschinerie anläuft und sie sich mit dem innerlichen Zeigefinger an die innerliche Stirn tippen und denken: „Jetzt spinnt er, der Rohrspatz. Da nutzt auch die Alumütze nix mehr.“

Von wegen. Ich gehe nur auf Nummer sicher. Schließlich tummeln sich im Netz nicht nur harmlose Surfer. Nein, auch Abmahnanwälte treiben ihr lukratives Unwesen und ich möchte nicht riskieren, einem davon auf den Leim zu gehen.

Und jetzt fragen Sie sich, warum um Himmels Willen soll denn ein Rechtsverdreher dem Rohrspatz sein Bild abmahnen?

Ich versuch mal, die Lage für Sie so zu erklären, dass ich es auch verstehen würde, wenn ich Sie wäre.

Das Bild hab ich selbst unter ziemlich schwierigen Bedingungen zustande gebracht. Fragen Sie lieber nicht wie, aber mir tun noch immer die Arme weh. Außerdem habe ich nicht mich, sondern mein Spiegelbild fotografiert. Daher ist der schwarze Balken auch Seitenverkehrt, weil nachträglich eingefügt. Oder dachten Sie, ich habe den schwarzen Balken immer vor Augen? Na gut, das fällt jetzt nicht direkt auf mit dem Balken, aber bevor hier die Diskussionen losgehen.

Okay, ich schweife ab. Also das Bild habe ich selbst geschossen, bin daher auch der Urheber und auf Grund der Veröffentlichung in meinem Blog auch der Rechteinhaber. Weil auf dem Bild auch außer dem schwarzen Balken und der Alumütze noch Teile meines Gesichts abgebildet sind, habe ich auch noch das Recht am eigenen Bild.

Nun ist es aber so, dass der Blog öffentlich ist und nach dem Telemediengesetz bin ich erstens Anbieter eines medialen Dienstes, nämlich dem Rohrspatz Blog. Dieser wiederum enthält einen redaktionellen Teil, nämlich den Text im Rohrspatz Blog und neuerdings auch noch Bilder.

Somit wird der Blog zweitens ein Instrument von öffentlichem Interesse und somit ist es Essig mit dem Recht am eigenen Bild. Der Rohrspatz wird dadurch nämlich auch noch zu einer öffentlichen Person und muss hinnehmen, dass er von nun an im angemessenem Rahmen auch von vollkommen wildfremden Leuten fotografiert wird. Paparazzis jagen den Rohrspatz. Tja, da denkste Dir nix und schon biste ein Z-Promi und musst im Dschungelcamp Regenwürmer oder Kakerlaken zwei Stunden lang im Mund warm halten. Ekliger Gedanke sag ich Euch, vor allem bei den Kakerlaken könnt ich schon vorab auf Verdacht kotzen.

Na Sie sind lustig. Jetzt lachen Sie über Würmer und Kakerlaken, dabei ist die Sache viel ernster und wesentlich komplizierter als Sie es sich in Ihren schlimmsten Alpträumen ausmalen könnten. Denn inzwischen sitzt irgendwo in seiner sterilen Kanzlei ein pomadiger Advokat und versetzt mir den finalen Kopfschuss. Der geht nämlich jetzt her, also der Herr Jurist, und verklagt den Inhaber vom Rohrspatz Blog, also mich, wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Person, ebenfalls ich und legt dem Schreiben eine Kostennote über 825 Euro 37 bei für den Fall, dass ich in Zukunft in aller Öffentlichkeit nicht auf mein Gesicht verzichten werde. Zeitgleich schreibt er mir, also dem Inhaber von meinem Gesicht, dass er mich rückwirkend zur Wahrung meiner Persönlichkeitsrechte vertritt und das der Inhaber vom Blog, also ich, nun an mich als Inhaber meines Gesichts zu berappen hätte, was mir ja als Inhaber von meinem Gesicht zu guter Letzt auch finanziell zugute käme. Selbstverständlich müsse er seine nicht ganz unerheblichen Auslagen wie Porto und Telefon geltend machen, weswegen er mir den verbleibenden Betrag meines Schadensersatzanspruches in Höhe von 37 Cent gerne auf mein Konto überweisen würde.

Daher also der schwarze Balken. Sonst sitzen der Rohrspatz und ich wegen dem Bild nämlich ziemlich tief in der Tinte.

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