Wie ein Schaf zu seiner Herde findet

Wir haben hier erst kürzlich die Frage mit den Vornamen näher beleuchtet, heute wenden wir uns den Nachnamen zu.

Ist ihnen schon mal aufgefallen, dass es in Deutschland möglich ist, mehr als nur einen Nachnamen zu haben ?
Jetzt kommen Sie schon. Leutheusser-Schnarrenberger und Wieczorek-Zeul sind Ihnen doch genauso ein Begriff wie Müller-Lüdenscheid.
Letzterer ist übrigens der einzige prominente männliche Vertreter dieser Art, der dem Rohrspatz ad hoc einfällt.

Und worauf will der Rohrspatz nun hinaus ?

Drei Worte. Shakira Mückenbrüll-Schniggendiller. (geborene Ratgeb-Besserwiss, Anmerkung des Verfassers)

Jetzt geben sie es schon zu, auch wenn bei ihnen die Nachnamen kurzzeitig zu Irritationen führten, beim Namen Shakira haben sie sofort an knackig braun gebrannte, nackte wespentaillenartige Hüften gedacht, die sich permanent in aufreizender Bewegung befinden und zu denen eine honigsüße Stimme gehört, die einen Kardinal dazu bringen würde, sämtliche Fenster seiner Kathedrale einzuschlagen.

Ich rate ihnen in Ihrem eigenen Interesse dringend davon ab, den Gedanken weiter zu verfolgen. Die Shakira, von der an dieser Stelle die Rede ist, ist von ganz anderem Kaliber als die Shakira aus Bogota, also vergessen sie es.

Sie glauben mir nicht ? Sie meinen wohl, bloß weil man Shakira heißt, schwebt man automatisch elfengleich wie ein zarter Frühlingshauch barfuß über eine saftige Wiese, mit wehendem Negligé das mehr zeigt als verbirgt, während im Hintergrund kleine Engelchen verzückt die Harfe zupfen ?

Nun, sie wollen es ja nicht anders.

Hier die ungeschminkte Wahrheit.
Käme jemand auf die absurde Idee, die beiden Shakiras miteinander aufwiegen, dann wäre es angebracht, der Dame aus Kolumbien noch einen Kleinwagen mit auf die Waage zu geben damit sie überhaupt eine Chance hat.
Zudem ist unsere Shakira so furchtbar hässlich, dass – würde man sie über Kabul abwerfen – aber auch der fanatischste Taliban seine Kalaschnikow in hohem Bogen wegwirft und sich seinen Bart abrasiert um bloß nicht mit ihr verwechselt zu werden. Okay, unsere Shakira hat keine Knarre…. aber dieser Bart, Menschenskinder.
Und jetzt denken sie noch mal an das Negligé von eben. Sehen sie, jetzt wird ihnen fast übel und insgeheim beten sie, dass es aus dem gleichen blickdichten Material wie das Zelt vom Zirkus Krone bestehen möge. Ich habe sie gewarnt, aber sie wollten ja nicht hören.
Stellen wir also fest: Unsere Shakira hat ungefähr die Ausstrahlung einer platt getretenen Kakerlake. Wobei wir nicht übersehen sollten, dass es sich bei dieser Kakerlake um ein deutlich größeres Exemplar handelt als im Allgemeinen üblich.

Nachdem das geklärt wäre, richten wir unsere ungeteilte Aufmerksamkeit ganz auf Shakira Mückenbrüll-Schniggendiller, im Folgenden kurz SMS.
SMS ist verheiratet und hat mindestens ein Junges aufgezogen, so genau weiß man das jedoch nicht. Über den Nachwuchs liegen nur wenig Informationen vor, aber der Gatte ist es wert etwas näher beleuchtet zu werden.

Stellen sie sich den Herrn so ähnlich vor wie ein kleines vertrocknetes Rumpelstilzchen mit einem Gesicht wie Bernd das Brot. Nur das er nicht so agil und lauthals krächzend um ein nächtliches Lagerfeuer im Wald herum hüpft. Er ist eindeutig von der ruhigen Sorte -beinahe unterwürfig- und hat immer diesen gehetzten Blick sobald Shakira Mückenbrüll-Schniggendiller in seiner Nähe aufkreuzt, was zu seinem Leidwesen häufig vorkommt. Manchmal, wenn er sich unbeobachtet fühlt, dann kichert er irre und tut so, als ob er ihr die Hände um den Hals legt und… dann ist er für eine Weile glücklich.

Die beiden führen schon seit Jahren eine ereignislose Ehe und eine kleine Metzgerei am Rande einer deutschen Kleinstadt. Hier kennt jeder jeden und Sonntags morgens schicken die Nachbarn gelegentlich die Kinder eben schnell vor dem Kirchgang zu den Mückenbrüll-Schniggendillers um noch eine beim Großeinkauf vergessene Scheibe Speck fürs Omelett zu ergattern.
Das Leben des Herrn Mückenbrüll-Schniggendiller – er heißt übrigens Gotthilf mit Vornamen, obwohl ihm das bisher noch keine Hilfe eingebracht hat – läuft also halbwegs in geordneten Bahnen ab.

Doch seit einiger Zeit trüben graue Wolken den ansonsten blauen wenn auch begrenzten Horizont von Gotthilf. Vor einigen Jahren hat SMS das Internet für sich entdeckt und offenbar einen Hang zum Okkultismus entwickelt. SMS schmückt sich mit heidnischen Symbolen, gibt sich Tier- oder Pflanzennamen und scheint Schwarze Magie auszuüben. Wie sonst erklärt sich ihr anhaltender Zwang, Tränke zu brauen und Speisen zu bereiten, dabei allerlei Kräuter und seltsame Zutaten zu verwenden.

Tja, und dann ist es eines Tages passiert. Quasi aus heiterem Himmel.

Und Sie wollen jetzt gerne wissen, was das war ?
Da haben Sie jetzt mehr Glück als Verstand, weil Sie im Rohrspatz Blog lesen. Bei RTL käme jetzt nämlich eine lange Werbepause und dann der Hinweis auf die Fortsetzung in der nächsten Woche.

Okay, hier die ungeschminkten Fakten. Ich hole etwas aus, damit Sie die Tragweite verstehen.

Versuchen Sie sich den Weltraum vorzustellen.
Ja genau, den Weltraum. Unendliche Weiten. Sie befinden sich in einer fernen Zukunft. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs, entdecken Sie fremde Welten, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Sie dringen dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat…..

Hallo, aufwachen. Hören Sie auf zu träumen, das war der Vorspann von Raumschiff Enterprise.

Also von vorne. Stellen Sie sich vor, im Weltraum fliegen zwei Asteroiden unaufhaltsam aufeinander zu. Irgendwann treffen diese aufeinander. Das knallt bestimmt ganz ordentlich.
Ungefähr so muss es gewesen sein, als SMS mit Shalom zusammengetroffen ist. Sie wissen schon, Shalom aus dieser Geschichte.

Ja, die Welt ist verdammt klein. Wer hätte jemals gedacht, das Shalom und SMS irgendwann im Leben einmal zusammentreffen und dann auch noch gemeinsame Sache machen. Und nicht nur das. Der ganze Vorstand in Shaloms Verein ist in heller Aufregung.

Bereits unmittelbar nach dem Mitgliedschaftsantrag wurde eilig eine nächtliche Sondersitzung des Vorstandes einberufen. Alle tragen weiße wallende Gewänder und Mehlsäcke über dem Kopf, mit denen sie ihre Gesichter verhüllen, was im Übrigen auch besser so ist. Schweigend sitzen die Vereinsvorstände um eine blakende Kerze im ansonsten dunklen Raum. Durch die Sehschlitze erkennt man blinzelnde Augen, die nervös zu Shalom blicken. Als draußen eine Eule schreit, zucken die vermummten Gestalten zusammen. Nachdem scheinbar alle anwesend sind, räuspert sich Shalom und eröffnet mit tiefer Stimme die Sitzung:

Shalom: Von allen Kaschemmen der ganzen Welt kommt sie ausgerechnet in meine.
1. vermummte Person, wendet sich dabei flüsternd an die 2. vermummte Person: Wie soll ich das denn wieder verstehen ?
2. vermummte Person an die 1., ebenfalls flüsternd: Du weißt doch, wenn Shalom aufgeregt ist, dann werden bei der Sitzung Filmzitate verwendet. (Die Red.: Manche in leicht abgewandelter Form)
Shalom: Houston, wir haben ein Problem. Also, was tun ? Los, Vorschläge! Nummer 3!
3. vermummte Person: Wir könnten ihr ein Angebot machen, dass sie nicht ablehnen kann.
Shalom: Wenn das ein Witz sein soll, dann ist er nicht komisch. Und ich weiß was komisch ist. Aber ich bin kein Clown-Fisch! Transporterraum: Nummer 3 hochbeamen.
3. vermummte Person: I’ll be back. Hasta la vista, baby. (lehnt sich schmollend zurück)
1. vermummte Person: Shalom, das meinen Sie doch nicht ernst?
Shalom: Doch, das mein ich, und nennen Sie mich nicht Ernst. Wird mich denn niemand von diesem aufrührerischen Priester befreien?
2. vermummte Person, flüsternd zu Nummer 1: Priester!! Nun ist Shalom vollkommen verrückt geworden.
Shalom: Ich bin nicht verrückt, ich bin nur seit 50 Jahren verdammt schlecht gelaunt. Wir kommen nicht raus und sie soll nicht rein. Verschwinden soll sie aus meinem Verein.
1. vermummte Person: Shalom, statt verschwinden, sag verpissen!
Shalom, fragend zu Nr. 1: Verpissen! (Pause) Also, schafft mir das Problem vom Hals. Macht sie fertig.

Sie ahnen ja gar nicht, welcher Urinstinkt…. Halt!! Sie müssen das so lesen: Ur Instinkt und nicht Urin stinkt…. Also welcher Urinstinkt bei den Shalom Girls bei dieser Aufforderung zutage getreten ist.
Nebulöse Andeutungen wie: „Ich genieße ihre Leber mit ein paar Bohnen und einem ausgezeichneten Chianti.“ oder „Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen“, machten die Runde, aber letzten Endes konnte man sich nicht einigen. So wurde beschlossen, SMS schweren Herzens in den Verein aufzunehmen, aber nicht eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Bei der geringsten Auffälligkeit jedoch….

Shalom: Wir werden ein größeres Boot brauchen. Möge die Macht mit mir sein!

So kam es, dass SMS doch noch mit den Shalom Girls zusammen traf. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Hätte Humphrey B. in Casablanca gesagt. In Shaloms Verein jedoch kann von Freundschaft kaum die Rede sein. Und seit SMS mit an Bord ist, hat sich das auch kaum gebessert, aber die Schafherde ist größer geworden, denn ein Umstand eint sie alle: An den Namen sollt ihr sie erkennen und hier schließt sich der Kreis.

Tja, Mama hat immer gesagt, das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt.

Demnächst also mehr Abenteuer mit den Shalom Girls.

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