Shalom oder Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr…

…dachte der Rohrspatz neulich als er mal wieder über diverse Personen in seinem Dunstkreis grübelte. Der Rohrspatz unterscheidet ja schon länger zwischen Freunden, Bekannten und Leuten die man unvermeidlicherweise kennt, denen man aber nicht immer aus dem Wege gehen kann.
Zur letzten Kategorie gehört eine Person, die der Rohrspatz hauptsächlich unter dessen Pseudonym Shalom kennt. An und für sich ist der Spitzname eher unpassend, weil der damit assoziierte Friede und diese Person nicht so recht zusammenpassen wollen, aber lesen sie selbst.

Shalom ist ein weitgereister Mensch und wenn man Shalom fragt, hat Shalom bereits alles mindestens mehrfach gesehen und erlebt. Den Erzählungen nach reichen die Abenteuer meist für zwei oder sogar drei Personen. Das ist auch gut so, denn die Sippschaft von Shalom ist groß.
Abgesehen davon, dass Shalom sowieso immer alles besser weiß und auch alles besser kann, behauptet Shalom permanent, dass die vermeintlichen Experten aber auch von nichts eine Ahnung haben, schon gar nicht von deren Fachgebiet.
Wenn es tatsächlich jemanden geben sollte, der genau Bescheid weiß, dann heißt derjenige – sie ahnen es schon – Shalom. Behauptet jedenfalls Shalom.
Wer Shalom näher kennt, wird jedoch geneigt sein dies ein wenig anders zu sehen. Auch wenn Shalom zu der Gattung Mensch gehört die von sich steif und fest behaupten, am Geschmack des Wassers erkennen zu können, welcher Fisch hier vor 14 Tagen lang geschwommen ist und damit angeben, bis auf 0,5 Grad genau zu wissen, welche Temperatur das Meer zu diesem Zeitpunkt hatte. Und das für ausnahmslos jeden der letzten 14 Tage.

Als Shalom vor vielen Jahren vor der Frage stand, was in beruflicher Hinsicht zu tun wäre, hat sich Shalom vermutlich für eine akademische Laufbahn entschieden. Nur bei der Wahl der Studienrichtung konnte sich Shalom nie so wirklich mit sich selber einig werden. Während Shalom wünschte, sich in Sachen Naturwissenschaften ausbilden zu lassen, liegt die Vermutung nahe, dass Shalom zumindest als Nebenfach Misanthropie belegt hat. Sie wissen schon: So jemand verachtet andere Menschen unter anderem aufgrund deren menschlichen Unzulänglichkeiten. Im speziellen Fall von Shalom bestehen die Unzulänglichkeiten allerdings ausschließlich darin, dass sich kaum jemand finden lässt, der das unterirdische Niveau von Shalom halten kann. Glaubt zumindest Shalom und steht damit wie so oft alleine da ohne das selbst so richtig wahr zu nehmen oder wahrhaben zu wollen auf welchem Level sich eben dieses Niveau bewegt. Shalom würde das aber schon aus Rücksicht auf das eigene Ego nie zum Gegenstand irgendwelcher Untersuchungen machen.

Ein Teufelskreis meinen sie ? Weit gefehlt. Shalom hat das inzwischen so perfektioniert, dass man als Unbeteiligter aber auch als Betroffener oftmals nur mit offenem Mund staunend daneben stehen kann. Kleines Beispiel gefällig ?

Shalom ist Gründungsmitglied eines kleinen unbedeutenden Vereins in einer kleinen unbedeutenden Vorstadt und gehört neben einigen anderen kleinen unbedeutenden, gelegentlich wechselnden Mitgliedern dem kleinen unbedeutenden Vorstand an.
Shalom hält sich all dessen ungeachtet für den Nabel der Welt und führt ein strenges Regiment.

Hier mal ein Auszug einer Vorstandssitzung. Wir befinden uns mittendrin im Geschehen, es geht nun ums Eingemachte.
Der Umstände halber sind die anderen Vorstandsmitglieder nur als Mitglied 1, Mitglied 2 etc. aufgeführt. Da sie – wie schon angeführt – klein und unbedeutend und daher austauschbar sind, spielt deren genaue Identität sowieso keine besondere Rolle.

Shalom (mit dem Ausdruck auf dem Gesicht, den man hat, wenn man eine wichtige Neuigkeit verkündet):
Vor dem Vereinsheim blühen bunte Blümchen. Die müssten dringend mal gegossen werden. Wer übernimmt das freiwillig?
Mitglied 1 (zögernd):
Wieso gießen ? Es regnet doch.
Shalom (genervt ob der totalen Ignoranz und der soeben zutage getretenen Inkompetenz):
Meine Güte, dann zieh beim Gießen eben eine Regenjacke an.
Mitglied 2 (ergänzt schulmeisterlich):
Und setz die Kapuze auf.
Shalom (leicht gereizt):
Oder nimm gleich den Schirm. Nächster Punkt. Das Vereinsheim wird um einige Räume erweitert. Die müssen tapeziert und angestrichen werden. Kennt jemand einen Maler ?
Mitglied 3 (unsicher):
Äh, ich…
Shalom (unterbricht ungeduldig):
Aha, und wann kommt der, wann fängt er an und wie lange dauert es bis er fertig ist?
Mitglied 2 (sieht sich unsicher um, mit einem Blick, der alle anderen um Hilfe bittet):
Vielleicht sollten wir erst mal fragen, wann er kann und was das kosten wird.
Shalom (wiegelt ab):
Unsinn. Wir machen den zum Vereinsmitglied, nehmen ihn in den Vorstand auf und wenn alles fertig ist schmeißen wir den Trottel wieder raus.
Mitglied 2 (immer noch unsicher) :
Die Frage wird sein, ob der das mitmacht.
Shalom (aufbrausend):
Du bist aber auch sowas von zimperlich. Kümmer Dich darum Du dusselige Kuh, immerhin war das Dein Vorschlag.
Mitglied 3 (renitent):
Ähem, mir gefällt der Ton jetzt nicht.
Shalom (simuliert donnernd und ohne Luft zu holen einen Vulkanausbruch):
DASGRENZTJASCHONANMEUTEREI.
IMMERDIESEWIDERWORTE.
ICHHABEDIESCHNAUTZEVOLLVONEUCHTROTTELNUNDUNGEBILDETEMPACK.
DASISTMEINVEREINUNDICHBESTIMMEALLEINEUNDWEMDASNICHTPASST,DERKANNJETZTGEHEN…
Mitglied 2 (kleinlaut):
Bitte nicht schreien, davon bekomme ich Kopfweh.
Shalom (noch immer außer Atem):
Kopfweh. In dem Schädel ist doch sowieso nix drin, was weh tun könnte.
Mitglied 4 (offenbar verwirrt):
Ich steh auf´m Schlauch. Wer kann mir sagen, um was es geht ?
Mitglied 5 (ebenso verwirrt):
Ich habe schon eine Meinung dazu. Muss aber erst mal drüber schlafen und kann noch nicht darüber sprechen.
Shalom (voller Genugtuung):
Dann machen wir das so. Ihr kennt ja Eure Aufgaben. Ich erwarte umgehend Vollzugsmeldung.

Natürlich ist diese Sitzung nur fiktiv, aber genau so spielt es sich immer ab.

Nicht nur der Verein ächzt unter der Last der diktatorischen Führung durch Shalom. Auch andernorts kennt man Shalom als Plage. Shalom gehört nämlich zu den Leuten, die einen aufwendigen Lebensstil führen und diesen durch mehr oder weniger ausgefallene Accessoires deutlich machen. Shaloms Optik variiert häufig und erinnert manchmal an einen prallgefüllten blauen Sack unmittelbar vor der Sperrmüllabfuhr oder einer Mischung zwischen Jack Sparrow und einem frisch geschmückten Pfingstochsen. Es versteht sich von selbst, dass sich Shalom nicht mit billigem Tand behängt. Zu den unvermeidlichen Unbequemlichkeiten in Shaloms Leben gehört daher die Anschaffung der überflüssigen optischen Missgeschicke, äh, ich meine Extravaganzen.

Genau zu diesem Zweck gurkt Shalom regelmäßig in der Weltgeschichte herum. In Zeiten von Billig Airlines ist es nämlich auch für Leute wie Shalom kein Problem, morgens in London zu shoppen, mittags in Paris zu speisen um abends in irgendeinem verschlafenen Nest an der Costa Brava zu flanieren oder einfach mal unter Einfluß kleiner bunter Seelentröster die Sau raus zu lassen. In diversen mitteleuropäischen Metropolen munkelt man bereits hinter vorgehaltener Hand von Heimsuchung.
Wobei Heimsuchung den Nagel auf den Kopf trifft. Stellen sie sich nur mal vor wie es ist, wenn ein Kunde Ihren Laden betritt und lauthals nach Toilettenpapier verlangt, welches mit kaltgepresstem Olivenöl behandelt sein muss und dabei anschaulich darüber doziert, welchen Effekt das auf die Haut am verlängerten Rückgrat hat.
Es ist also nur allzu verständlich, wenn Shalom dabei oft auf Leute trifft, die sich nur deswegen mit Shalom abgeben weil sie an einer Möglichkeit überlegen, Shalom auf eine einsame Insel zu locken und dort alleine zurückzulassen.
Shalom – sonst nicht für feines Gespür bekannt – scheint sowas instinktiv zu bemerken und ist permanent enttäuscht weil sich niemand wirklich die Mühe macht und ein solches Vorhaben auch nur ansatzweise plant oder einfach so in die Tat umsetzt. Sowas ist eine Frechheit und grenzt in Shaloms Augen an eine internationale Verschwörung. Alles andere wäre aber auch nicht standesgemäß.

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